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Die Kunst des Teepairings: Wie Sie Tee perfekt mit Speisen kombinieren

Salat in zwei Schüsseln angerichtet mit Grünerm Salat, Gerste, Tomaten von oben fotografiert
Grüner Salat mit Tomaten
Geschrieben von Sonja
Veröffentlicht am 18. Februar 2026
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Allgemeines Tee Welt Teekultur die zieht! Teereise

Sie trinken keinen Alkohol und bestellen wieder Wasser zum Essen? Dabei gibt es eine elegante Alternative: Teepairing. Entdecken Sie, wie Tee Speisen begleitet – von mild bis rauchig, von Fisch bis Dessert.

Teepairing bezeichnet die bewusste Kombination von Tee mit Speisen, um Aromen zu verstärken, Kontraste zu schaffen oder das Geschmackserlebnis harmonisch abzurunden. Ähnlich wie beim klassischen Weinpairing kann der richtige Tee ein Gericht auf eine neue Ebene heben – alkoholfrei, vielseitig und überraschend elegant.

Doch warum wird Tee als Speisenbegleitung so selten angeboten?


Mein Aha-Moment im Wellnesshotel

Vor einiger Zeit saß ich in einem 4-Sterne-Wellnesshotel beim Abendessen. Mehrgänge-Menü, gedimmtes Licht, gehobene Atmosphäre. Der Kellner brachte die Getränkekarte – eine beeindruckende Weinauswahl, mindestens 50 verschiedene Sorten. Um mich herum Gäst:innen mit elegantem Weinglas in der Hand.

Ich blätterte durch die Karte. Wein – nein danke, vertrage ich nicht. Bier – auch nicht. Säfte? Viel zu süß. Blieb wie immer: Wasser.

Der Kellner wartete. Ich bestellte Wasser. Und fühlte mich in diesem Moment – ich gebe es zu – ein bisschen so, als könnte ich mir nichts anderes leisten. Dabei wollte ich einfach nur etwas Geschmackvolles, das zu meinem Essen passt und das ich vertrage.

„Haben Sie vielleicht Tee?", fragte ich vorsichtig.

„Tee gibt es nur zum Frühstück", kam die Antwort.

 

Warum Tee die ideale Speisenbegleitung ist

Diese Situation hat mich nicht mehr losgelassen. Nicht nur, weil ich bei Demmers Teehaus arbeite, sondern weil ich dachte: Warum zum Teufel kommt niemand auf die Idee, Tee als Speisenbegleitung anzubieten?

Ich habe mich danach intensiver mit dem Thema Teepairing beschäftigt – und bin dabei auf das Buch „Alkoholfrei" von Nicole Klauss gestoßen. Darin beschreibt sie die Prinzipien, nach denen alkoholfreie Getränke mit Speisen harmonieren. Und siehe da: Tee kann genauso viel wie Wein. Er kann Aromen unterstreichen, Fett ausbalancieren, intensive Gerichte strukturieren. Er ist vielseitig, elegant – und nebenbei auch noch alkoholfrei.

Aber hier ist die gute Nachricht: Sie müssen nicht auf Restaurants oder Hotels warten. Teepairing beginnt zu Hause.


Die 6 Grundprinzipien für gelungenes Teepairing

Bevor ich zu konkreten Kombinationen komme, möchte ich Ihnen zeigen, nach welchen Prinzipien Tee und Speisen harmonieren. Das hilft Ihnen, selbst kreativ zu werden und eigene Pairings zu entwickeln.


1. Die Speise steht im Mittelpunkt

Das Gericht ist der Star, der Tee begleitet – er soll Aromen ergänzen, nicht überdecken. Ein zarter Fisch mit einem dominanten Rauchtee? Das überlagert das Gericht. Ein Formosa Sencha Standard zu Sushi? Perfekt harmonisch.

Merke: Präsenz ja, Dominanz nein.


2. Ton-sur-Ton (heißt: Ton in Ton): Ähnliche Aromen verbinden

Wenn Aromakomponenten in Speise und Getränk vorkommen, steigt die Wahrscheinlichkeit für Harmonie deutlich. Ein Sesamgericht mit einem Tee, der Sesamnoten hat? Stimmig. BIO Japan Gyokuro zu vegetarisch, frischen Speisen? Ergibt Sinn, weil die Aromaprofile sich ähneln.

Das funktioniert übrigens auch wissenschaftlich: Ähnliche Aromastrukturen führen oft zu gelungenen Kombinationen beim Teepairing.


3. Anreicherung – der dritte Geschmack

Manchmal hebt ein Getränk ein Gericht auf eine völlig neue Ebene. Es begleitet nicht nur, es erweitert. Ayran zu würzigem Döner zum Beispiel: kühlt, bringt Säure und Salz mit – und schafft eine neue Aromaschicht.

Kernaussage: Das Ganze ist mehr als die Summe der Teile.


4. Kontrastprinzip: Gegensätze ziehen sich an

Manchmal sind Gegensätze die spannendste Kombination beim Pairing von Tee und Essen. Säure zu würzigem Curry. Bittere Tees zu süßen Desserts. Frische, grüne Noten zu fettreichen Speisen – etwa BIO Japan Sencha zu Lachs.

Kontrast sorgt für Balance und Spannung am Gaumen.

 

5. Desserts: Süß mit süß – oder Bitterkeit als Gegengewicht

Bei süßen Speisen haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie wählen einen Tee, der genauso süß ist (auf Augenhöhe) – oder Sie setzen bewusst auf Bitterkeit und Struktur, etwa Matcha zu einem Dessert.

Wichtig: Zu wenig Süße im Tee wirkt neben sehr süßen Speisen schnell blass und wässrig.


6. Schärfe liebt Zitrus

Pfeffrige oder scharfe Speisen profitieren von Tees mit Zitrusnoten. Warum? Zitrusaromen puffern Schärfe und setzen einen frischen Kontrapunkt. Pfeffriges Steak oder scharfes Curry mit zitronigem Tee? Probieren Sie es aus.
 


8 Tee-Geschmacksrichtungen für perfektes Teepairing


Jetzt wird es konkret. Diese 8 Kategorien eignen sich besonders gut, um Tee mit Speisen zu kombinieren:


Milde Tees zu zarten Gerichten


Weißer Tee wie z.B. BIO Fancy White Peony oder sanfte Grüne Tees (z.B. China Jasmin Dragon Phoenix Pearl) passen zu zarten Gerichten: Fisch, Meeresfrüchte, leichte Salate, luftige Desserts. Sie lassen dem Gericht Raum und ergänzen, ohne zu dominieren.

Pairing-Tipp: White Satin zu gedämpftem Fisch mit Zitrone


Rauchige Tees zu Gegrilltem

Rauchige Tees, wie z.B. China Fancy Pu Erh bringen Tiefe zu Gegrilltem, Schmorgerichten und herzhaften Speisen. Ihre intensiven Noten greifen kräftige Aromen auf – perfekt nach dem Ton-sur-Ton-Prinzip.

Pairing-Tipp: BIO Lapsang Souchong zu BBQ oder Räucherlachs


Malzige Schwarztees zu deftiger Küche

Vollmundige Schwarze Tees wie Assam Broken TGBOP halten mit Braten und deftigen Gerichten mühelos mit. Die Fülle des Tees strukturiert intensive Speisen und schafft Balance.

Pairing-Tipp: Assam Exquisite TGFOP zu Sonntagsbraten oder herzhaftem Eintopf


Highgrown Tees zu Gebackenem

Elegant, charakterstark und leicht bitter. Highgrown Tees (Werden in hochgelegenen Teegärten angebaut. Die Höhe verleiht ihnen Klarheit, Struktur und eine besonders feine Aromatik.) sind perfekt zu Schnitzel, Gebackenem und knusprigen Komponenten. Sie balancieren Fett aus und setzen einen klaren Kontrapunkt.

Pairing-Tipp: Darjeeling First Flush FTGFOP zu Wiener Schnitzel


Beerige Tees zu Desserts

Fruchtig und leicht. Beerige Früchtemischungen harmonieren wunderbar mit Kuchen, Patisserie und fruchtigen Desserts. Hier funktioniert das Ton-sur-Ton-Prinzip beim Teepairing besonders gut: Beerennoten im Tee treffen auf Beerennoten im Dessert.

Pairing-Tipp: Himmlische Himbeere oder Waldbeere zu Obstkuchen oder Beerensorbet


Zitronige Tees zu Fisch und Salat

Zitronige Kräutermischungen bringen Klarheit und Frische. Besonders passend zu Fischgerichten, leichten Salaten und asiatischen Speisen. Auch bei scharfen Gerichten ein perfekter Partner für gelungenes Teepairing.

Pairing-Tipp: Lemongras oder Zitronenkräutertee zu Thai-Curry oder gegrilltem Fisch


Süßlich-erdige Tees zu würzigen Gerichten

Rooibos und ähnliche Sorten wirken ausgleichend zu würzigen Wok-Gerichten und asiatischer Küche. Die sanfte Süße rundet intensive Aromen ab – ein schönes Beispiel für das Kontrastprinzip.

Pairing-Tipp: BIO Rooibos Classic zu scharfem Wok-Gemüse


Grasige Grüntees zu japanischer Küche

Sencha oder Gyokuro begleiten japanische Gerichte, Lachs und gedünstetes Gemüse. Formosa Sencha Standard wirkt belebend und mild, BIO Japan Gyokuro überzeugt mit süßer Umami-Tiefe. Beide passen perfekt zu pflanzlichen, frischen Aromen.

Pairing-Tipp: Formosa Sencha Standard zu Sushi, BIO Japan Gyokuro zu Edamame


Geröstete Tees: Die Geheimwaffe für Röstaromen

Ein besonderer Tipp für Ihr Teepairing: Geröstete Tees wie Hojicha oder Japan Genmaicha sind ideal zu Röstaromen und fettreichen Speisen. Ihre nussigen, warmen Noten harmonieren mit allem, was knusprig, gebräunt oder geschmort ist.

Pairing-Tipp: BIO Japan Hojicha zu geröstetem Gemüse oder Nussgebäck


So starten Sie mit Teepairing zu Hause

Sie müssen kein Profi sein, um Tee und Speisen erfolgreich zu kombinieren. Beginnen Sie einfach:

1. Analysieren Sie Ihr Gericht: Ist es eher zart oder kräftig? Fettig oder leicht? Süß oder würzig?

2. Wählen Sie Ihr Prinzip: Möchten Sie harmonisch begleiten (Ton-sur-Ton) oder einen spannenden Kontrast setzen?

3. Wählen Sie einen Tee aus den 8 Kategorien

4. Probieren Sie – und justieren Sie beim nächsten Mal nach

Teepairing ist kein Hexenwerk. Es ist eine Einladung, Tee neu zu entdecken. Nicht nur als Getränk für zwischendurch, sondern als bewusste Begleitung zum Essen.

Von mild bis grasig, von fruchtig bis charakterstark: Tee kann jedes Gericht begleiten – überraschend harmonisch, alkoholfrei und genussvoll.

Und das Beste? Sie brauchen dafür kein 4-Sterne-Hotel. Sie brauchen nur Neugier – und eine gute Tasse Tee.